Samstag, 8. August 2026 · Die Glosse Die Revolution hätte gern ein ZimmerDie Glosse Airbnb hat diese Woche Quartalszahlen vorgelegt, und darin steht ein Satz, den man zweimal lesen muss: Das Hotelgeschäft der Plattform wächst rund dreimal so schnell wie das Geschäft mit privaten Unterkünften. Kein Tippfehler. Die Firma, die 2008 mit drei Luftmatratzen antrat, um das Hotel überflüssig zu machen, wächst achtzehn Jahre später am schnellsten mit: Hotels. Man muss sich die Szene gönnen. Achtzehn Jahre lang war das Hotel der Gegenentwurf. Zu anonym, zu genormt, zu gestern. „Belong anywhere", hieß es, wohne wie ein Einheimischer. Auf dieser Erzählung wurde ein Weltkonzern gebaut. Und jetzt steht die Revolution an der Rezeption und fragt, ob noch ein Doppelzimmer frei ist. Gern mit Frühstück. Im Aktionärsbrief steht auch, warum: 35 Prozent der Neukunden, die zuerst ein Hotel buchen, buchen später eine Wohnung. Das Hotel ist für die Plattform keine Beute mehr, es ist der Köder. Das professionellste Produkt der Branche wirbt jetzt Kundschaft für seine Nachahmer. Ehrenamtlich, gegen Provision. Bevor hinter dem Empfangstresen Häme aufkommt: Die Pointe zeigt in beide Richtungen. Die Plattform hat der Branche nichts weggenommen. Sie hat erledigt, was die Branche achtzehn Jahre lang liegen ließ: auffindbar sein, in zwei Minuten gebucht sein, auf dem Gerät, auf dem Gäste nun einmal leben. Das ist kein Diebstahl, das ist Fleiß. Und die Branche? Hat achtzehn Jahre über Plattformen geschimpft und parallel pünktlich Provision überwiesen. Erst an die Portale, jetzt an die Luftmatratze. Man kann das Vertriebsstrategie nennen. Man muss aber nicht. Der wahre Satz zum Schluss
Nachtrag fürs Protokoll: Es ist Samstag, deshalb heute keine Checkliste. Am Dienstag geht es wieder um Zahlen. Versprochen. P.S. Wer am Montag doch wissen will, wie auffindbar das eigene Haus inzwischen ist, wenn Maschinen suchen: Der KI-Buchbarkeits-Check auf 3perspectives.de bleibt bis September kostenlos. Kostet nichts außer Ehrlichkeit. Quellen: Airbnb, Aktionärsbrief zum 2. Quartal 2026 (Hotelübernachtungen wachsen rund dreimal so schnell wie das Homes-Geschäft, 35 Prozent der Hotel-Erstbucher buchen später eine Unterkunft) · aufgegriffen u. a. von Tageskarte und PhocusWire. |