Über Andreas Lerch

Dreißig Jahre auf der anderen Seite der Rezeption.

Wenn ein Mitarbeiter geht, hat vorher das System versagt — meistens an der direkten Führungskraft. Ich weiß das nicht aus einer Studie. Ich war diese Führungskraft. 3Perspectives ist das, was ich daraus gemacht habe.

Angefangen hat alles weit weg von Lobbys mit Kronleuchtern: in einem Dorf in Hessen, wo das aufregendste Hotel der Gasthof mit Kegelbahn war. 1996 stand ich zum ersten Mal als Sportanimateur vor Gästen — und lernte die wichtigste Lektion der Branche am ersten Tag: Es ist völlig egal, wie gut dein Programm ist, wenn der Mensch davor keine Lust hat, da zu sein. Später kamen das Sportwissenschafts-Diplom und ein eigener Fitnessbetrieb mit fünfzehn Mitarbeitern dazu. Mit der ersten eigenen Lohnabrechnung versteht man Personalkosten übrigens deutlich schneller als in jedem Seminar.

Andreas Lerch im Gespräch mit einem Team

Dann zog die Hospitality mich ganz hinein. Erst ins Spa — bis zur Leitung eines Hauses, das sich zu den „Leading Spas of the World" zählen durfte, fünftausend Quadratmeter, auf denen Entspannung ein erstaunlich anstrengendes Geschäft ist. Dann aufs Wasser: elf Flussschiffe, auf denen ich Spa, Sport und Hotellerie verantwortete und lernte, dass ein Hotel, das jeden Morgen woanders aufwacht, vor allem eines braucht — ein Team, das sich aufeinander verlassen kann. Und schließlich an Land in die General-Management-Verantwortung: 4- und 5-Sterne-Häuser in DACH und Südtirol, Openings samt Baustaub, der Umbau eines Saisonbetriebs auf Ganzjahresbetrieb, eine Pandemie mitten im Geschäftsmodell. Was funktioniert und was scheitert, habe ich nicht gelesen. Ich habe beides unterschrieben.

Und irgendwo auf diesem Weg passierte das, worüber Berater ungern reden, wenn es sie selbst betrifft: Eine gute Kraft legte die Kündigung auf meinen Tresen — und ich verstand in derselben Sekunde, dass das System lange vorher gerissen war. Mein System. Ich hatte mein Team und meine Abteilungsleiter vernachlässigt, zu selten wirklich hingehört, nicht intensiv genug interviewt — und Werte formuliert, die ich selbst nicht konsequent vorgelebt habe. Voller Kalender, leere Präsenz. Das ist keine Anekdote für den Vortrag. Das ist die unbequemste Rechnung meiner Laufbahn.

3Perspectives ist keine Geschäftsidee. Es ist eine Wiedergutmachung mit Geschäftsmodell.

Deshalb gibt es 3Perspectives: Gast, Team, Unternehmen — drei Perspektiven, die in jeder Entscheidung gleichzeitig gelten müssen, sonst kippt das Ganze. Ich helfe Betrieben, in denen das Geschäft am Menschen hängt, ihre Werte vom Poster in den Schichtplan zu bringen, Mitarbeiter zu halten statt nachzubestellen — und Technik genau dort einzusetzen, wo sie Routine wegräumt, damit wieder jemand aufschaut, wenn ein Gast hereinkommt. Mehr Technik. Mehr Mensch. Und ich bleibe, bis es trägt — nicht bis die Workshop-Marker trocken sind.

Woran ich glaube

Drei Sätze, an denen Sie mich messen dürfen.

01

Wenn jemand kündigt, ist das System vorher gerissen — fast immer in der direkten Führung.

02

Menschen bleiben wegen tragfähiger Strukturen. Nicht wegen Obstkörben.

03

Technik gehört dorthin, wo sie Routine abnimmt — damit ein Mensch wieder Zeit für Menschen hat.

Nebenbei: ein Buch

Die Augenringe haben es übrigens zu einem Buch gebracht.

HOTELDRAMA erzählt dieselbe Branche ungeschminkt — ein 24-Stunden-Liebesbrief an die härteste People-Industrie der Welt. Die Geschichten sind nicht ausgedacht. Leider.

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