Samstag, 12. September 2026 · Die Glosse Die Schlagzeile gehört dem Matcha. Der Dienstag gehört dem Kaffee.Die Glosse Diese Woche stand eine Getränkemeldung ganz oben auf der Branchenseite: Kaffee bleibt die Nummer eins, Matcha und die neuen Spritz-Varianten legen zu. Ein Trend, frisch serviert. Fast. Die Meldung ist vom 29. Juni. Die Auswertung dahinter wurde am 10. Juni veröffentlicht. Und die Bestelldaten, auf denen sie beruht, sind aus dem Jahr 2025. Der Trend, der an diesem Wochenende neu aussieht, hat inzwischen Geburtstag gehabt. Ein Trend ist offenbar etwas, das man in Ruhe einholen kann. Zu den Zahlen, und die sind ordentlich gemacht. orderbird hat anonymisierte Bestelldaten aus 14.641 Betrieben in Deutschland ausgewertet, dazu 683 in Österreich und 585 in der Schweiz, allesamt Häuser, die deren Kassen nutzen. Fallzahl, Jahr und Herkunft der Daten stehen offen im Dokument. Das ist mehr, als sich über die meisten Branchenzahlen sagen lässt, die einem im Herbst über den Weg laufen. Und das Ergebnis, das die Überschrift bekommt, heißt Matcha. Der Matcha Latte kommt im Kaffeesegment auf 21 Prozent aller Bestellungen. Er kostet im Schnitt 6,06 Euro und ist damit das teuerste Heißgetränk der Auswertung. Er ist, wie die Mitteilung selbst anmerkt, eigentlich gar kein Kaffee, sondern ein Tee. Aufgehalten hat ihn das nicht. Der Matcha Latte ist der Neuzugang, der am ersten Tag die Kamera mitbringt. Das ist kein Vorwurf. Er bringt auch Umsatz mit, und zwar den höchsten pro Tasse im ganzen Feld. Wer ihn nicht auf der Karte hat, verzichtet nicht auf eine Mode, sondern auf den bestbezahlten Platz im Heißgetränkeregal. Nehmen Sie ihn auf. Nur: Das Ergebnis, das die Überschrift nicht bekommt, steht im selben Dokument ein paar Seiten weiter vorn und ist ungefähr dreimal so groß. Kaffee macht 27 Prozent aller Getränkebestellungen aus. Bier 23. Wasser 6. Zusammen ist das mehr als die Hälfte von allem, was in diesen 14.641 Betrieben über den Tresen gegangen ist. Über keines der drei ist je eine Titelgeschichte erschienen. Sie sind der Nachtdienst der Getränkekarte: Ohne sie läuft nichts, und in der Überschrift steht trotzdem jemand anderes. Das ist keine Boshaftigkeit der Fachpresse, das ist schlichte Mechanik. Eine Rangliste belohnt Bewegung, nicht Bedeutung. Kaffee auf Platz eins ist keine Nachricht, Kaffee steht da immer. Ein Getränk, das plötzlich bei 21 Prozent steht, ist eine. Wer Charts liest, liest deshalb systematisch die Ausnahme und überliest die Regel. Und dann ist da noch das, was eine Rangliste grundsätzlich nicht kann. Eine Rangliste ist ein Papagei, der genau eine Zahl gelernt hat. Er krächzt sie in fünfzig Tonlagen. Das Wort warum hat er nie gehört. Die Kasse weiß, dass 27 Prozent Kaffee war. Sie weiß nicht, ob der Kaffee gut war. Sie weiß nicht, ob der Gast ihn bestellt hat, weil er ihn wollte, oder weil um halb vier nichts anderes mehr ging. Und sie weiß erst recht nicht, dass der Herr am Zweiertisch am Fenster seit elf Jahren jeden Dienstag um halb vier kommt und dass er das nicht wegen des Kaffees tut. In der Auswertung ist er eine Zeile. In Ihrem Haus ist er der Dienstag. Fairerweise: orderbird behauptet nichts anderes. Dort steht, was die eigenen Kassen gebucht haben, und es steht dabei, welche Kassen das waren. Die Überdehnung passiert erst danach. In der Überschrift. Und dann in der Sitzung, in der jemand sagt, man sollte mal was mit Matcha machen. Sollten Sie. Machen Sie auch. Nur nicht statt, sondern neben. Dieselbe Auswertung sagt nämlich noch etwas: Seit 2023 ist der Matcha Latte um 15 Prozent teurer geworden, der Cappuccino um 16, Bier und Wasser um jeweils 4. Man kann das als Trendbestätigung lesen. Man kann es auch lesen als das, was es wahrscheinlich ist: Die Häuser haben den Preis dort bewegt, wo der Gast mitgeht, und dort gelassen, wo er mitzählt. Das ist keine Trendmeldung. Das ist Handwerk, und Handwerk bekommt nie eine Überschrift. Der wahre Satz zum Schluss
Quellen: orderbird, „Getränke-Charts 2025“, Pressemitteilung und Report, Berlin, 10. Juni 2026. Alle Zahlen dieser Ausgabe stammen aus diesem Dokument: Kaffee 27 Prozent aller Getränkebestellungen in Deutschland, Bier 23, Wasser 6, zusammen laut Mitteilung mehr als die Hälfte aller Bestellungen; im Kaffeesegment Espresso 56 Prozent, Matcha Latte 21 Prozent bei einem Durchschnittspreis von 6,06 Euro, dem höchsten aller Heißgetränke der Auswertung; Preisentwicklung seit 2023: Matcha Latte plus 15 Prozent, Cappuccino plus 16, Schorle plus 10, Bier und Wasser je plus 4. https://static.orderbird.com/assets/PR-Getraenke-Report-2025_DE_web.pdf |
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