Dienstag, 15. September 2026 · Eingeordnet Die Kartenpflicht soll 2027 kommen. Ihre Gäste haben nicht so lange gewartet.Der Vermerk Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat am 11. September Eckpunkte vorgelegt: Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen künftig neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten müssen. Umsetzung 2027, der Gesetzentwurf soll noch 2026 ins Kabinett. Welches Verfahren angeboten wird, entscheidet der Betrieb selbst, mindestens ein europäisches muss darunter sein. Keine Umsatzgrenze, keine Mindestbeträge, kein Aufschlag für den Gast. Ausgenommen sind nichtkommerzielle Organisationen wie Amateursportvereine, Härtefallregelungen werden geprüft. Bargeld bleibt. Zwei Dinge, bevor jemand etwas bestellt. Das Eckpunktepapier ist nicht veröffentlicht, es läuft die Abstimmung zwischen den Ministerien. Und Eckpunkte sind kein Gesetz. Sie sind der Rohbauplan: Die Ecken stehen, die Türen noch nicht. Die Bedeutung Die interessantere Zahl steht ohnehin nicht im Eckpunktepapier. Sie steht in der Zahlungsverhaltensstudie der Bundesbank, veröffentlicht im Juli 2026 für das Erhebungsjahr 2025. 6.070 Menschen, befragt zwischen dem 8. September und dem 2. Dezember 2025, zur Hälfte telefonisch, zur Hälfte online. Ein gutes Viertel der Befragten konnte im letzten Monat mindestens einmal nicht mit Karte oder Smartphone bezahlen, obwohl es das wollte. 2023 waren es 18 Prozent. Und in 77 Prozent dieser Fälle lag es nicht an der Technik, nicht an der Karte und nicht an einer vergessenen PIN, sondern schlicht daran, dass gar nichts angeboten wurde. Die Gastronomie ist einer der Orte, an denen das passiert. Vor Ort werden bargeldlose Zahlungsmittel inzwischen in 86 Prozent der Fälle angenommen, 2021 waren es 61. In der Gastronomie ist die Akzeptanz gegenüber 2023 um acht Prozentpunkte gestiegen, und trotzdem schreibt die Bundesbank für diese Orte den Satz: Hier werde „noch immer recht häufig ausschließlich Bargeld angenommen". Deshalb legt ein Viertel der Befragten Bargeld gezielt für bestimmte Anlässe zurück. Die Studie listet auf, für welche: Trinkgelder, Geldgeschenke, Kleingeld fürs Parken, Einkäufe beim Bauern, Dorffeste, Wochen und Flohmärkte. Und Gastronomiebesuche. Das ist keine schlechte Gesellschaft. Es ist nur eine Gesellschaft, in der man auf Dauer ungern steht: die Schublade für die Orte, für die man vorher extra zur Bank geht. Und das ist kein Vorwurf, die Liste ist nicht von uns, sie steht so in der Studie. Die andere Seite gehört mitgelesen, und sie steht in derselben Studie. Ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, mit geringem Einkommen oder wenig digitaler Übung zahlen überdurchschnittlich häufig bar und sind auf Bargeld angewiesen. 21 Prozent der Befragten wollten in den vergangenen zwölf Monaten irgendwo bar zahlen und durften nicht, Restaurants ausdrücklich darunter. Ein Haus, das nur noch Karte nimmt, hat das Problem nicht gelöst, sondern umgedreht. Das Eckpunktepapier verlangt deshalb beides, und das ist die vernünftigste Zeile darin. Die Handlung Nichts überstürzen. Es gibt kein Gesetz, es gibt einen Rohbauplan. Aber ein Rundgang kostet eine halbe Stunde, und drei Punkte stehen fest genug, um danach etwas zu tun. 1. Der Rundgang. Prüfen Sie nicht die Rezeption, die kann es fast immer. Prüfen Sie die Randstellen: die Bar nach Mitternacht, den Wellnessbereich, den Verleih, die Hütte, die Sonnenterrasse, den Automaten im Gang, den Sonntagsdienst, das Frühstück für Laufkundschaft. Notieren Sie jede Stelle, an der heute jemand „nur bar" sagen muss. Das ist Ihre Liste für 2027, und sie ist meistens kürzer, als man befürchtet. 2. Das europäische Verfahren. Nach den berichteten Eckpunkten muss unter den angebotenen digitalen Verfahren mindestens ein europäisches sein. Wer heute ausschließlich internationale Kreditkarten annimmt, behält diesen Punkt im Auge, sobald der Entwurf vorliegt. Was genau als europäisches Verfahren zählt, steht in keinem veröffentlichten Text. Kein Rechtsrat, nur ein Merkposten. 3. Die Kosten bleiben im Haus. Nach den Eckpunkten darf für die digitale Zahlung kein Aufschlag vom Gast verlangt werden. Wer rechnet, rechnet also mit den vollen Kosten auf der eigenen Seite. Wie hoch die ausfallen, hängt vom Verfahren und vom Vertrag ab, und dafür gibt es keine seriöse Pauschalzahl. Rechenbeispiel, ausdrücklich kein Messwert. Die belegte Ausgangszahl kommt wieder aus der Bundesbank-Studie: Im Portemonnaie liegen im Schnitt 98 Euro, und damit kommt ein Mensch 1,8 Tage durch seine üblichen Ausgaben. Ein Abendessen zu viert mit Getränken liegt in vielen Häusern darüber. Nehmen Sie an, an einem Abend mit 40 Rechnungen fallen an zwei Tischen die Nachspeise und der Espresso weg, weil das Bargeld knapp wird, und die Differenz beträgt je Tisch 15 Euro. Das sind 30 Euro am Abend und bei 300 Öffnungstagen 9.000 Euro im Jahr. Diese Zahl ist nicht gemessen, sie ist gerechnet. In Ihrem Haus kann sie deutlich kleiner sein und deutlich größer.
Quellen: Koalitionsvertrag CDU/CSU/SPD 2025, Abschnitt „Bargeld, digitaler Euro und Akzeptanz digitaler Zahlungen": „Wir setzen uns für echte Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr ein und wollen, dass grundsätzlich Bargeld und mindestens eine digitale Zahlungsoption schrittweise angeboten werden sollen." Koalitionsvertrag 2025 (PDF) |
© 2026 3Perspectives · Andreas Lerch · Der Hotel-Werkzeugmacher. Erst nachgemessen, dann gebaut. · andreas@3perspectives.de